Teil 4 von 10 (Übersicht hier)

Im letzten Eintrag ging es um die Schweinespuren, die als Vorlage für die eigentlichen Aufnahmen dienen sollen. Max hatte an einem Abend alle fünf Songs eingespielt, der Sound war Nebensache, Hauptsache das Timing und der Aufbau waren korrekt.

Nun gehts also “richtig los”, wir müssen anständig aufnehmen, alles muss sitzen. Aber Gott-sei-Dank haben wir kein Studio gebucht, teures Equipment gemietet oder sonstiges. Kein Druck also. Wie bereits erwähnt, wollten wir die EP einzeln aufnehmen. Das bedeutet, dass wir zuerst das Schlagzeug aufnehmen, danach Gitarre und Bass und es hinterher am Rechner übereinander legen und mischen. Die Alternative wäre gewesen, alles aufzubauen und zu verkabeln und dann den Gesamtsound im Proberaum aufzunehmen. Das kann auch seinen Reiz haben, verlangt aber folgendes:

  1. Einen guten Raumsound (nicht zu hallig, nicht zu trocken)
  2. Sehr gute Ausrichtung und Einstellung der Mikrofone, damit das finale Signal am Rechner die Lautstärken, das Links/Rechts-Verhältnis und die Dynamik einfängt
  3. Sauber eingespielte Musiker *hust*, die die Songs mal eben derbe runterocken, ohne große Verspieler (ehrlich gesagt würde mir das am wenigsten Sorgen bereiten, ganz ehrlich)
  4. Die Nachbearbeitung am Rechner wäre sehr eingeschränkt, da man immer das komplette Stereosignal bearbeitet und Kleinigkeiten wie z.B. eine leicht zu leise gespielte BassDrum wesentlich schwierig ausbessern kann.
  5. Man braucht mehr Equipment & Menschen für das gleiche Ergebnis (mindestens zwei Raum Mikros, dann mindestens vier dedizierte Mikrofone für das Schlagzeug und nochmal zwei Mikros für die Gitarre. Der Bass kann direkt das Signal aus dem Amp bekommen, das wäre ok. Und wir bräuchten eine Person, die die Aufnahme bewacht, mischt, aktiv hinhört.

Während wir Punkt 2 und 3 vielleicht noch mit ein wenig mehr Proben und Ausprobieren lösen können, geht nichts bei Punkt 1, 4 und 5. Wir haben kein anständiges Mehrkanalmischpult, mehr als vier Kanäle kriegen wir nicht gemischt.

Wie habt ihr nun letztendlich das Schlagzeug aufgenommen?

Wie ich in einem früheren Beitrag schonmal erläutert haben, haben wir folgendes gemacht:

  1. Ein SM58 als Mikrofon für die Kick
  2. Eine SM58-Kopie als Mikrofon für die Snare.
  3. Zwei aktive Overhead-Mikros für je ein Tom (mid + low)
  4. Die eingebauten Mikros meines Stereo Audiorekorder für den Gesamtsound (Becken und Raum und Bleed)

Ergibt sechs Mono-Kanäle, die auch erstmal aufgenommen werden wollen. Max hat auch ein Stereo Audiorekorder, daran kamen die beiden Overhead Mikros. Und die Signale von Kick und Snare gehen in mein Stereo USB Interface.

Somit haben wir 3x 2 Spuren für das Schlagzeug. Dadurch kann ich hinterher am Rechner alle Signale einzeln mischen (schreibe ich später noch etwas drüber), habe aber den Nachteil, dass ich alles anständig übereinander legen muss (da gabs später noch ein kleines Problem).

Nach dem Verkabeln, haben wir einige kurze Soundtests gemacht, um festzustellen, ob die Signale laut genug, nicht zu laut und halbwegs ok klingen. Ein “steiles” Mikro auf den Rand der Snare klingt seehr anders als ein Mikro im 45° Winkel, welches auf die Mitte ziehlt.

Um den Aufwand das “Aufeinanderlegens” zu reduzieren (und auch um beim Aufnehmen an sich Zeit zu sparen), haben wir uns entschieden, alle drei Geräte nacheinander einzuschalten (“Aufnahme läuft!”) und dann gebe ich am Anfang der ganzen Session ein eindeutiges Zeichen (viermal laut Anzählen.

Und dann gehts los. Ich habe mir die Kopfhörer aufgesetzt, daran angeschlossen mein Smartphone mit den Schweinespuren von Max Gitarre. Und dann einfach mitgespielt. Pro Song zwei bis vier Takes, meistens war der dritte ganz gut. Max hat sich dazugesetzt und Notizen gemacht, basierend auf der Uhrzeit (“guter Take”, “gutes Ende”) und mir auch direkt Feedback gegeben, wenn etwas nicht richtig klang oder nicht rund lief. Das war sehr hilfreich, sowohl direkt während der Aufnahmen, als auch hinterher beim Zusammenschneiden.

Und was wir dann mit diesen sechs zwei-stündigen Mono-Spuren gemacht haben, erfahrt ihr nach der nächsten Maus in dem nächsten Beitrag. 😉

Kategorien: Recording